Bau-Boom für Mehrfamilienhäuser - Wohnungsnot in Deutschland

Das dauerhaft niedrige Zinsniveau sorgt dafür, dass der Bau-Boom für neue Häuser sowie das Interesse an Renovierungen alter Häuser nicht abreißen. Allein von Januar bis Juli diesen Jahres genehmigten deutsche Behörden knapp 203.000 Neu- und Umbaumaßnahmen. Diese Zahlen gehen aus einer Information des Statistischen Bundesamts hervor. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Anteil demzufolge um 1,9 Prozent bzw. knapp 3.900 Baugenehmigungen erhöht.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

Bei Neubauvorhaben betrug der Anteil ein Plus von rund 2,6 Prozent bzw. ungefähr 4.500 Genehmigungen. Allerdings wird dieser Anstieg ausschließlich durch eine Erhöhung für Baugenehmigungen innerhalb von Mehrfamilienhäusern befindlichen Wohnungen begründet. Dieser Anteil steigerte sich um 7,6 Prozent auf nahezu 103.600 Projekte. Im Gegenzug sank der Anteil an Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um 0,2 Prozent auf fast 53.400. Noch drastischer ist die sinkende Anzahl an Baugenehmigungen für Zweifamilienhäuser, die um etwa 2,8 Prozent an Boden verlor. Einige Gründe für diese Entwicklung sind der Mangel an Handwerkern und steigende Baupreise. Die logische Konsequenz: insbesondere rund um Ballungszentren herrscht eine hohe Knappheit an Bauland vor.

Es werden zu wenige Wohnungen erbaut und renoviert

Um der großen Nachfrage an Wohnraum gerecht zu werden, müssten alljährlich nach aktuellen Einschätzungen aus Bauwirtschaft und Politik etwa 350.000 bis 400.000 neue Wohnungen in Deutschland errichtet werden. Der Blick auf das vergangene Jahr beweist, dass beispielsweise 2017 nur 285.000 neue Wohnungen erbaut wurden. Nunmehr liegt es in der Hand von Vertretern aus Bund, Ländern und Kommunen, um die Zeichen für eine neue Wohnoffensive zu setzen. In Kooperation mit dem Mieterbund, Vertretern der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft sowie Gewerkschaften müssen neue Wohnraumprojekte geplant werden, in deren Rahmen insgesamt bis zu 1,5 Millionen neue Eigenheime und Wohnungen entstehen sollen: ein Vorhaben, das durch Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt wird.

Neue politische Programme sind längst in Planung

Diese Pläne genügen den Grünen im Bundestag noch längst nicht. Ihrer Meinung nach könnte ein Sofortprogramm das Projekt "bezahlbares Wohnen" vorantreiben. Noch im Jahr 2018 soll die Bundesregierung eine Milliarde Euro investieren – das ist eine Forderung der Grünen. In diesem Zusammenhang verweist Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt darauf, dass die Bundesregierung bisher noch nicht adäquat auf die "explodierenden Mieten in Deutschland" reagieren konnte. Die Politikerin sowie der bau- und wohnungspolitische Sprecher Chris Kühn setzen sich deshalb aktuell vehement für eine massive Aufstockung von Bundesmitteln für eine soziale Wohnraumförderung im Wert von 500 Millionen Euro ein – für dieses und nächstes Jahr. Zugleich sprechen sich die Politiker für ein "Schnellprogramm für eine neue Wohngemeinnützigkeit" aus. Diese Maßnahme soll mit einem Anteil von 500 Millionen Euro bis Jahresende sowie jeweils drei Milliarden Euro in den Folgejahren unterstützt werden. Eine Steuerbefreiung sowie Zulage für Investitionen soll den Zweck verfolgen, dass über 100.000 Wohnungen auf Dauer kostengünstig vermietet werden sollen.

Forderungen der Caritas

Zu dieser Problematik äußert sich ebenfalls die Caritas. Diese Vereinigung fordert, dass mindestens ein Viertel aller neu errichteten Wohnungen dem Sozialen Wohnungsbau zugutekommen sollte. Diesbezüglich gibt Caritas-Präsident Peter Neher zu verstehen, dass die Thematik bezahlbarer Wohnungen über Jahre hinweg zu deutlich vernachlässigt wurde. Seiner Meinung nach fließen viel zu hohe Gelder ins Hochpreissegment ein. Die Lösung des Wohnungsproblems bestände deshalb nicht nur darin, neue Wohnungen zu errichten. Noch wichtiger ist es, dass die Objekte für bezahlbare Mieten angeboten werden.

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