Wohnungsknappheit: nun rücken Schrebergärten ins Visier

Wohnungsknappheit: nun rücken Schrebergärten ins Visier

Wahrscheinlich ist die Kleingartenanlage "Am Kienberg" im Berliner Stadtteil Marzahn eines der ersten Gartenparadiese in Deutschland, dessen Existenz nun bedroht ist. Doch auf Dauer wird die Gartenanlage gewiss nicht die letzte sein. Der Grund liegt auf der Hand: durch zunehmende Wohnungsknappheit werden Kleingärten für den deutschen Immobilienmarkt immer interessanter. Schließlich würde sich das Hab und Gut ideal als Baufläche eignen. Möchten die Hobby-Gärtner diesen Wandel verhindern, müssen sie für den Erhalt ihrer Garten-Oase Kompromisse eingehen.

Am Kienberg: nur ein Beispiel unter vielen?

"Am Kienberg" ist eine typische Kleingartenanlage, in der sich ein öffentlicher Spielplatz befindet und auf der zur Sommerzeit Feste für die Laubenpieper gefeiert werden. Für viele Mitglieder des Kleingartenvereins ist die Anlage wie eine zweite Heimat, in der sich Hobby-Botaniker gern zu Gesprächen treffen und die warme Jahreszeit genießen. Doch damit könnte bald Schluss sein, obwohl die Anlage vor Kurzem den ersten Platz im Bundeswettbewerb "Gärten im Städtebau" errang. Einer der wichtigsten Gründe für diese Auszeichnung war das Bestreben des Vereins, auch in großen Ballungszentren nachbarschaftlich miteinander umgehen zu können.

Die Sehnsucht der Deutschen nach der eigenen grüne Oase wächst

In Berlin ist die Kleingartenanlage dennoch nur ein Schrebergarten unter vielen. Insgesamt ist das gesamte Stadtgebiet von rund 70.000 Parzellen gesäumt. In vielen deutschen Großstädten sehnen sich Deutsche nach einem kleinen Gartenparadies. Diese Entwicklung vollzieht sich durch alle Altersschichten und soziale Strukturen. Durch die große Anzahl an Schrebergärten ist Berlin deutschlandweit einer der Spitzenreiter.

Verschiedene Meinungen über ein Thema

Während es Gartenvereinen in dünn besiedelten Regionen häufig an Nachwuchs mangelt, halten Investoren im Zeitalter der Wohnungsknappheit nach potentiellen Flächen innerhalb von Großstädten Ausschau. Einige Projektentwickler rufen direkt dazu auf, Kleingärten in größeren Metropolen wie Hamburg, Köln, Frankfurt am Main oder München zu verdrängen. Vertreter des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde plädieren hingegen für eine "intelligente Nutzung" der Kleingartenanlagen. Ihrer Meinung nach würde eine Lösung des Immobilienproblems darin bestehen, die Größe der Parzellen zu verringern und somit mehr Gärten auf der Fläche der Kleingartenanlage zu erschaffen. Dieses Modell der Nachverdichtung hätte sich nach Aussage des Geschäftsführers des Bundesverbands, Stefan Grundei, in Hamburg schon bewährt. Werde diese Strategie befolgt, wäre es nach Aussagen von Grundei auch möglich, im Ausnahmefall Bereiche der Kleingartenflächen für größere Infrastrukturkonzepte abzutreten. Allerdings sollte seiner Meinung nach die Anzahl an Parzellen gehalten werden – auch wenn für dieses Vorhaben notfalls Ersatzflächen erschaffen werden müssten.

Flächen am Straßenrand erschließen: eine Lösung für das Problem?

An einem Kompromiss ist zudem Christine Edmaier als Präsidenten der Berliner Architektenkammer interessiert. Allerdings richtet diese Vertreterin ihren Fokus auf Flächen, die sich unmittelbar an Straßen befinden. Ihrer Ansicht nach wäre es vorstellbar, dass in einigen Kleingärten mit guter Infrastruktur die am Straßenrand verlaufenden Gebiete erschlossen werden. In diesem Fall müsste kein neues Bauland erschaffen werden. Dennoch ist es nicht möglich, dass die in Berlin bestehende Wohnungsknappheit ausschließlich durch eine Bebauung von Kleingartenflächen gelöst wird. Nur ein Teil dieses Problems könnte durch dieses Konzept gelöst werden.

Grünflächen verhindern eine Steigerung von Hitzetagen

Stadtplaner und Klimaforscher verweisen in diesem Zusammenhang auf die hohe Bedeutung von Grünflächen auf das Klima. Deren Aussagen zufolge wäre eine Nutzung der Grünflächen für Wohnraum "zu kurz gedacht". Jürgen Kropp vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung betont, dass die Anzahl an Hitzetagen im städtischen Bereich schon heute doppelt so hoch ist wie auf dem Land. Je dichter Städte bebaut werden, umso stärker würde dieser Anteil ansteigen. Diese Entwicklung führe nach Aussagen von Kropp im ungünstigsten Fall zu einer Verzehnfachung der Hitzetage bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Grünflächen müssten nach dessen Meinung auch zukünftig als Verdunstungsflächen genutzt werden, die durch ihren Kühleffekt zu einem Verbesserung des städtischen Klimas beitragen. Eine Lösung wären sogenannte vertikale Gärten – in Gebäuden integrierte Gärten.

Stadtplaner sind sich einig: Kleingärten gehören zu Großstädten dazu

Stadtplaner sind sich sicher, dass Kleingärten auch in Zukunft das Stadtbild größerer Städte mitbestimmen werden. Schließlich versprechen die Gärten ein Stück Lebensqualität. Dennoch ist wohl davon auszugehen, dass den Schrebergärten ein Wandel droht. Ein Teil dieser Entwicklung sei die Rückführung einer partiellen Großbebauung. Nach Worten von Ricarda Pätzold – einer Stadtplanerin des Deutschen Institituts für Urbanistik – zufolge wäre es ungerecht, wenn "man einen gemeinnützigen Kleingartenzins bezahle, aber dort eine Art Wochenendhaus habe und nur noch alibimäßig Blümchen züchte". Deshalb werden ihrer Meinung nach Stadtplaner in Zukunft noch kritischer darauf achten, inwiefern Flächen vergeben und Satzungen eingehalten werden.

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