Das Konzept der Smart City! - Reine Zukunftsmusik?

Die Wohnungswirtschaft besitzt einen Datenschatz, nach dem sich so mancher Anbieter sehnt. Ob Stromverbrauch, Miethöhe oder Alter der Mieter – diese Daten liefern allesamt wichtige Anhaltspunkte. Nunmehr haben Forscher Ideen konzipiert, um diese Informationen effektiv nutzen zu können. Dieser Gedanke mag zwar im ersten Moment skurril klingen, hat jedoch auch seine Vorteile.

Das Konzept der Smart City

Ein Pilotprojekt im Berliner Stadtteil Neu-Hohenschönhausen

Eine Gruppe an Nachwuchswissenschaftlern nahm den Berliner Stadtteil Neu-Hohenschönhausen genauer unter die Lupe. Das aus DDR-Zeiten stammende Plattenbaugebiet ist Heimat von mehreren Hochhäusern, die von großzügigen Stellplatzangeboten umrandet werden. Doch wenden sich die Bewohner tagsüber ihrer Arbeit zu, herrscht auf den Parkplätzen gähnende Leere. Diesen Zustand nahmen die Wissenschaftler als Anlass, um ein Konzept zu entwickeln, das Optionen zur temporären Nutzung dieser Parkplätze aufzeigt. Die Rede ist von mobilen Bibliotheken, kleinen Cafés oder einem Glühweinstand zur Winterzeit, die dem Kiez auch tagsüber zu mehr Leben verhelfen könnten.

Ob sich Anbieter für diese Optionen interessieren, hängt in erster Linie von einem Aspekt ab. Und zwar genauen Informationen darüber, welche Einwohner sich zu welchem Zeitpunkt wohin bewegen. Hierbei handelt es sich um Big Data – eine Verbindung unterschiedlicher Fakten, die verschiedenen Quellen entstammen und mit Unterstützung künstlicher Intelligenz analysiert werden. Diese Resultate könnten sich in mehrfacher Hinsicht auswirken. Neben Stadtplanern könnten auch Planer von Bus- und Bahnverbindungen, Schulen, Krankenhäusern oder Einzelhandelsarealen ein berechtigtes Interesse daran haben.

Die Lebensweise der Einwohner analysieren

Dieses Thema ist zwar schon seit langer Zeit in aller Munde. Doch bislang wird die Thematik noch nicht praktiziert. Umso interessanter ist dieses Berliner Projekt, das sich durch die Wohnungswirtschaft gewonnene Daten zunutzemacht. Die Lebensweise einzelner Menschen wird durch Hinzuziehung von Informationen wie der Dauer eines Mietverhältnisses oder Haushaltsgröße immer transparenter.

Und die Datenerhebung trägt erste Früchte. Mittlerweile führten Stadt und Land einen sogenannten Hackathon durch, bei dem mehrere Teams an jungen Wissenschaftlern Ideen konzipierten, um die durch die Wohnungsunternehmen gewonnenen Daten für eine weitere Konzipierung von großen Wohngebieten zu nutzen. Diese Datenverarbeitung erlaubt nicht nur sichere Prognosen für zukünftige demografische Entwicklungen. Zugleich geben die Informationen darüber Aufschluss, wie die Unterkünfte noch effizienter an vor Ort bestehende Bedürfnisse angepasst werden können.

Auswertungen mit Unterstützung anderer Quellen

Diese Big Data-Informationen sind noch interessanter, wenn die Angaben mit anderen Quellen kombiniert werden. Deshalb leisteten neben Stadt und Land zwei landeseigene Wohnungsunternehmen einen wichtigen Beitrag zur Datenanalyse. Ergänzend wurde das Projekt durch die BVG Berliner Verkehrsbetriebe unterstützt, die anonymisierte Daten ihrer Fahrplan-App ergänzte. Aus dieser Beteiligung erhofft sich das Unternehmen einen ganz persönlichen Erfolg, indem der Anbieter zukünftig Streckenpotenziale und Taktzeiten noch sinnvoller bewerten kann.

Eine Arbeitsgruppe schlug deshalb im Rahmen des Hackatons vor, Shuttleverbindungen von U-Bahnhöfen bis hin zum Wohnort zur Verfügung zu stellen. Andere Gruppen wollten Fahrplanabfragen besser nachvollziehen, um Wege von Mietern von ihrer Wohnung bis zu Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs nachzuvollziehen. Einige Analytiker hoffen sogar, durch diese Big Data-Nutzung sogar die Zukunft beeinflussen zu können. Ein Beispiel ist das Berliner Start Up-Unternehmen Realxdata, das allgemeinwirtschaftliche, immobilienwirtschaftliche und weitere Daten miteinander vereint und auswertet.

Besonderheiten einzelner Stadtteile auswerten

Zur Bewertung der Zukunftschancen eines Wohnviertels spielen Portale für die Immobilienvermarktung ebenfalls eine wichtige Rolle. In diese Bewertung fließen nicht nur Miethöhen und Immobilienpreise ein. Außerdem wird geschaut, für welche Zeit die einzelnen Angebote überhaupt online sind. Informationen wie eine Dichte an Cafés lassen darauf schließen, welche Stimmung unter den Einwohnern herrscht. Diese Auswertungen sollen für Projektentwickler und Immobilieninvestoren Schlüsse darauf zulassen, wie lohnenswert eine Investition an einem bestimmten Standort ist. Derartige Angaben bieten Raum für ernsthafte Spekulationen darüber, wie sich Wohnviertel entwickeln und wie sich Mieten in den nächsten Jahren entwickeln werden. Ein Hauch von spekulativem Risiko fließt in diese Analysen zwar immer ein. Aber dennoch lassen sich Trends abzeichnen, indem mehrere wichtige Indikatoren miteinander verknüpft werden.

Keine Angst vor einem Datenmissbrauch

Die hohe Bedeutung dieser Verknüpfung zeigt außerdem das Beispiel des Plattenbauviertels in Neu-Hohenschönhausen auf. Um ausgewählte Projekte besser planen zu können, ist es wichtig zu wissen, ob sich in unmittelbarer Nähe überwiegend jüngere oder ältere Menschen aufhalten. Wichtig ist allerdings nicht die Anzahl der Daten. Die Qualität der Informationen ist wesentlich wichtiger. Doch genau darin liegt das Problem. Schließlich mangelt es vielen Informationsquellen noch immer an der Bereitschaft, die Daten überhaupt zur Verfügung zu stellen.

Erschwerend kommt die in Deutschland vorherrschende Furcht vor einem Datenmissbrauch dazu. In Deutschland nehmen Debatten rund um den Datenschutz eine Schlüsselrolle ein. Denn trotz des großen Interesses an den Daten ist es Big Data-Experten auch hierzulande wichtig, gesetzliche Bestimmungen einzuhalten. Deshalb müssen Mieter einen Datenmissbrauch nicht befürchten.

Der Fokus liegt auf Schwarmdaten

Auch die während des Hackatons analysierten Informationen wurde vor ihrer Auswertung anonymisiert. Deshalb werden in erster Linie sogenannte Schwarmdaten ausgewertet. Persönliche Informationen sind für die Datenverarbeitung eher uninteressant und werden deshalb auch gar nicht in die Analysen einbezogen. Resultiert das Konzept der Smart City deshalb womöglich schon bald in einer traumhaft schönen Immobilienwelt, in denen unsere Entscheidungen durch künstliche Intelligenz getroffen werden? Diese Visionen sind eher unwahrscheinlich. Schließlich sollen die Daten keinesfalls über die Zukunft der Einwohner entscheiden.

Es ist den Initiatoren der Projekte wichtig, dass am Ende der Vermietungsprozesse stets ein Mensch steht, der Entscheidung absegnet oder diesen widerspricht. Denn auch trotz der besten und revolutionärsten Technologie ist der Mensch noch längst nicht überflüssig.

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